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2024

IGN-Forschungspreis 2024

Der Preis

Die Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) hat am 28. November 2024 den diesjährigen IGN-Forschungspreis für tiergerechte Nutztierhaltung vergeben. Der Preis wurde 2024 bereits zum 22. Mal ausgeschrieben. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 56. Internationalen Tagung Angewandte Ethologie der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) in Freiburg/Breisgau statt.

Die Preisträger:innen

Die Verhaltenswissenschaftlerin Dr. Margret Lisanne Vonholdt-Wenker erhielt für ihre 2022 an der Wageningen University eingereichte Dissertation Welfare implications of prolonged cow-calf contact in dairy farming ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.


In Milchviehbetrieben ist es üblich, Kälber kurz nach der Geburt von der Mutter zu trennen. Danach werden sie in den ersten Tagen oder Wochen einzeln untergebracht und mit begrenzten Milchmengen gefüttert, was zu Belastungen für Kuh und Kalb führt. Ziel der Arbeit war es, zu untersuchen, wie sich unterschiedliche Varianten der Kälberaufzucht (längerer Kontakt von Kuh und Kalb mit und ohne Säugen und überhaupt kein Kontakt) auf das Wohlergehen von Milchkühen und Kälbern sowie deren Gesundheit und Leistung auswirkt.


Zu diesem Zweck wurden neben verschiedenen physiologischen Parametern bei Kuh-Kalb-Paaren mit und ohne Kuh-Kontakt sowohl die Motivation zur Wiedervereinigung als auch das Bindungsverhalten der Kühe untersucht. Eine große Herausforderung für das Wohlergehen bei längerem Kontakt zwischen Kuh und Kalb besteht darin, die Bindung zwischen Mutter und Jungtier zum Zeitpunkt des Absetzens und der Trennung (Debonding) zu lösen. Untersucht wurden daher auch die Auswirkungen verschiedener Debonding-Strategien auf die Gesundheit, Leistung und Stressreaktionen von Kuh-Kalb-Paaren mit teilweiser oder vollständiger Kuh-Kalb-Kontakt im Vergleich zu Kuh-KalbPaaren ohne Kuh-Kalb-Kontakt.


Die Studie hat zu einem tieferen wissenschaftlichen Verständnis beigetragen, wie verschiedene Arten von verlängertem Kuh-Kalb-Kontakt zur Optimierung der Kälberaufzuchtbedingungen in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Hinblick auf das Tierwohl beitragen können.


 

Die Verhaltenswissenschaftlerin Dr. Lisa Schanz erhielt für ihre 2023 an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) eingereichte Dissertation Farmer work satisfaction and aspects of animal welfare in organic mixed livestock farming ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro.


Die Arbeit kombiniert die sich gegenseitig beeinflussenden Themenkomplexe der Arbeitszufriedenheit von Landwirt:innen und Aspekte des Tierwohls bei gemischter Bio-Tierhaltung (d.h. Betriebe mit mindestens zwei auf landwirtschaftlich genutzten Tieren beruhenden Betriebszweigen).


Im Hauptteil der Dissertation wurden ein Ethogramm für die Interaktionen zwischen Masthühnern und Jungrindern erstellt sowie ein breites Verhaltensrepertoire für beide Tierarten zwischen gemischten Gruppen und Kontrollgruppen mit nur je einer Tierart verglichen. Ferner wurden weitere Aspekte des Tierwohls mit dem Fokus auf die Tiergesundheit von Masthühnern bei gemeinsamer Weidehaltung mit Rindern untersucht.


Positive Ergebnisse waren geringere Hühnerverluste durch Greifvögel bei einer häufigeren und weitläufigeren Auslaufnutzung sowie eine etwas höhere Gewichtszunahme bei der gemeinsamen Weidehaltung von Hühnern und Rindern. Die vielversprechenden Erkenntnisse und synergetischen Effekte in Verbindung mit bisheriger Forschung zur positiven Umweltwirkung gemischter Tierhaltung stellen das mögliche Potenzial dieser Haltungssysteme für eine tierwohlorientierte, artgemäße und nachhaltige Gestaltung landwirtschaftlicher Systeme dar, die auch zur Arbeitszufriedenheit der Tierhalter:innen beiträgt.


 

Die Agrarwissenschaftlerin Theresa Helena Wildemann erhielt für ihre 2023 an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) eingereichte Masterarbeit Always restless? Effect of different housing systems on time budgets and restlessness in beef bulls ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro.


Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verhalten von Mastbullen in verschiedenen Haltungssystemen sind rar. Die Arbeit hatte sich daher zum Ziel gesetzt, das Wissen über die täglichen Zeitbudgets von Bullen in unterschiedlichen Haltungssystemen zu erweitern. Basierend auf Erkenntnissen aus der Humanpsychologie, dass ruheloses Verhalten häufiger in reizarmen Umgebungen auftritt als in angereicherten und möglicherweise auf Langeweile hinweist, war sie außerdem an der Ruhelosigkeit der Tiere, gemessen als Anzahl an Verhaltensübergängen, interessiert.


Hierfür wurden Bullen beobachtet, die auf Vollspaltenböden, in Haltungssystemen mit Stroh und auf ökologisch bewirtschafteten Weiden gehalten wurden. Entgegen der Erwartung, unterschieden sich die beiden Stallhaltungssysteme in den Zeitbudgets der Grundverhaltensweisen nur bedingt und in der Ruhelosigkeit nicht voneinander. Es zeigte sich, dass sich die täglichen Zeitbudgets über alle Grundverhaltensweisen hinweg innerhalb der beiden Stallhaltungssysteme ähnlicher waren als die der Weidehaltung. Auf der Weide verhielten sich die Bullen am wenigsten ruhelos.


Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Bullen unabhängig davon, ob sie auf Spalten in Kleingruppen oder auf Stroh in Großgruppen gehalten werden, ein hohes Maß an Ruhelosigkeit aufweisen, das möglicherweise auf ein vergleichbares Maß an Reizarmut, Monotonie oder Intensität der Haltungsbedingungen zurückzuführen ist.

Die Arbeiten

Dr. Margret Vonholdt-Wenker

Zusammenfassung Vonholdt-Wenker (PDF)

Summary Vonholdt-Wenker (PDF)

 

Dr. Lisa Schanz

Zuammenfassung Schanz (PDF)

Summary Schanz (PDF)

 

Theresa Helena Wildemann

Zusammenfassung Wildemann (PDF)

Summary Wildemann (PDF)

Die Preisverleihung

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