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2022

IGN-Forschungspreis 2022

Der Preis

Die Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) hat am 24. November 2022 den diesjährigen IGN-Forschungspreis für tiergerechte Nutztierhaltung vergeben. Der Preis wurde 2022 bereits zum 20. Mal ausgeschrieben. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 54. Internationalen Tagung Angewandte Ethologie der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) in Freiburg/Breisgau statt. 

Die Preisträger:innen

Der Agrarwissenschaftler Dr. Josef Schenkenfelder erhielt für seine 2021 an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) abgeschlossene Dissertation Dairy cow welfare in Austria – risk indicators and farmers‘ motivation for improvement ein Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro.


Die verschiedenen Studien beziehen sich auf ein Tierwohlmonitoring von Milchkühen, das in Kooperation mit der Molkerei SalzburgMilch GmbH etabliert und 2017 für ihre bäuerlichen Lieferbetrieben verpflichtend eingeführt wurde. Ziel war es, vorherrschende Problembereiche hinsichtlich Tierwohl zu ermitteln und diesbezüglich Zusammenhänge mit Betriebs- und Managementfaktoren zu identifizieren. So konnte u.a. nachgewiesen werden, dass eine höhere Anzahl an Weidetagen sowie die ökologische Betriebsführung sich generell positiv auf das Tierwohl der Milchkühe auswirkten. Neben einer weiteren, vertiefenden epidemiologischen Fragestellung wurde die Schlüsselrolle von Milchbäuerinnen und -bauern bei der Verbesserung von Tierwohl untersucht. Es konnten diesbezüglich vier unterschiedliche Sichtweisen betreffend potenziell motivierender Faktoren beschrieben werden. Deren Berücksichtigung könnte in Zukunft die Bereitschaft von Bäuerinnen und Bauern zur aktiven Mitwirkung an Verbesserungsmaßnahmen deutlich erhöhen.


 

Der Veterinärmediziner Dr. Jens Becker erhielt für seine Studien zu Antibiotikaverbrauch und Resistenzgeschehen in der Kälberhaltung (Reduktion des Antibiotikaverbrauchs und der Antibiotikaresistenzen in Kälbermastbetrieben durch verbesserte Tiergesundheit und Tierwohl: das neue „Freilufkalb“-System), mit denen er 2020 an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern promoviert wurde, ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro.


Im Zentrum der Studien steht ein neues Haltungs- und Managementsystem für Kälber („Freiluftkalb“-System), die entgegen der gängigen Praxis dauerhaft im Außenklima gehalten werden. Es konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden, dass die jungen Kälber durch ein adäquates Management und eine schadgasarme Haltungsumwelt einem deutlich niedrigeren Krankheitsdruck ausgesetzt sind. Dies führt zu besserem Tierwohl durch reduzierte Schmerzen und Leiden sowie einer halbierten Sterblichkeit – und das bei weitgehend gleichwertiger Wirtschaftlichkeit. Was den Antibiotikaverbrauch und das Resistenzgeschehen auf den „Freiluftkalb“-Betrieben angeht, konnten vielversprechende Beobachtungen gemacht werden: der Antibiotikaverbrauch war fünfmal tiefer als der konventionellen Vergleichsgruppe. Außerdem wurden dort signifikant weniger resistente und multiresistente Bakterien gefunden.


 

Für ihren gemeinsam verfassten Aufsatz Leiden Nutztiere unter ihren Haltungsbedingungen? – Zur Ermittlung von Leiden in Tierschutzstrafverfahren erhielten die Juristin Johanna Hahn und die Tierärztin Ariane Désirée Kari ein Preisgeld von insgesamt 3.000 Euro.


Der interdisziplinäre Aufsatz zeigt am Beispiel der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern, dass bei landwirtschaftlich genutzten Tieren strafrechtlich relevante Leiden infolge einschränkender Haltungsbedingungen regelmäßig verkannt werden. Grund dafür ist der Umstand, dass erhebliche Leiden gar nicht geprüft und wissenschaftliche Erkenntnisse der Tierverhaltensforschung (Ethologie) außer Acht gelassen werden. Der Beitrag erläutert anhand von Beispielen, wie in Strafverfahren die Darlegung von Leiden und deren Erheblichkeit mit der Unterstützung geeigneter Sachverständiger gelingen könnte, sodass auch Tierquälerei durch restriktive Haltungsbedingungen angemessen geahndet werden kann. Eine besondere Bedeutung kommt im Falle der Anbindehaltung der durch die Haltung erzwungenen erheblichen Verhaltenseinschränkung der Tiere und deren Bewertung zu.


Die Preisverleihung

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